Am Wochenende des 9./10. Oktober 2004 trafen sich auf der Reitportanlage der Familie Hagl in Vaterstetten 12 Begeisterte der “langsamen” Disziplinen zu einem Kurs der besonderen Art mit Keith Long und Stefania Uglioni.
Beide trainieren normalerweise auf der Reitanlage der Familie Cozzo in Italien und konnten Dank des Engagements der Familie Hagl für diesen Kurs gewonnen werden. Ein besonderer Dank gilt in diesem Zusammenhang auch der VWB, die diesen Kurs mit gesponsert hat.
Keith Long ist mehrfacher Europameister. Unter anderem hat er in diesem Jahr die Junior Western Pleasure auf der Europameisterschaft in Kreuth gewonnen. In dieser Disziplin hat er sich auch für die World-Show in Oklahoma qualifiziert, an der er in diesen Tagen teilnimmt. Stefania Uglioni showt ebenfalls sehr erfolgreich Pleasure und Hunter under Saddle.
Was war nun das Besondere an diesem Kurs? Zum einen wurde sehr erfolgreich der Versuch unternommen, einen Kurs für Turnierteilnehmer zu veranstalten, die sowohl Pleasure-, Horsemanhip- und Showmanship-Klassen starten, zum anderen war es beiden Trainern weitaus wichtiger, etwas von ihrer Trainingsphilosophie zu vermitteln, als ein bestimmtes Programm durch zu ziehen.
Dazu gehörte insbesondere auch, das es keinen klassischen Kursaufbau gab, wie man es von manch anderen derartigen Veranstaltungen kennt. Wie Keith gleich zu Beginn des Kurses erklärte, würde seiner Meinung nach ein strenges Kursprogramm keinen Sinn machen, da jedes Pferd und jeder Reiter andere Probleme und Bedürfnissen mitbringen würden.
Keith war es daher auch wichtig, jedes Pferd persönlich kennen zu lernen und darauf einzugehen. So ritt er im Laufe des Kurses jedes Pferd mehrmals, um jedem Reiter ganz individuell bei seinen Problemen zu helfen. Er wies bereits am Anfang des Kurses darauf hin, dass die Besitzer bitte einschreiten sollen, wenn sie der Meinung sind, dass er zu „hart“ mit ihren Pferden umginge. Denn er könnte den Besitzern nur zeigen, wie er persönlich diese Probleme behandeln würde. Ein, wie sich herausstellte, völlig unnötiger Hinweis. Vielmehr konnten die Teilnehmer feststellen, dass Keith sogar weitaus sanfter mit den Pferden umging, da er nie die Geduld verlor. Dafür war Keith in seiner Hilfengebung weitaus konsequenter als mancher Pferdebesitzer.
Es war schon ein Erlebnis, Keith singend und pfeifend auf einem bockigen Pferd durch die Halle reiten zu sehen. „Frauchen hätte nämlich zu diesem Zeitpunkt schon lange das Bein zum Hüfte verschieben weggenommen!“
Am Nachmittag des zweiten Tages konnten dann die erarbeiteten Dinge in etlichen Horsemanship-Pattern praktisch angewandt werden. Unter den kritischen und kundigen Augen von Keith und Stefania konnten die Teilnehmer die unterschiedlichsten Pattern in einer richtigen „Paid-Warm-Up“-Situation üben. Dazu gehörte es nicht nur, die Aufgabe exakt durchzuführen, sondern auch vorab eine Aufgabe einzuteilen und die schwierigen Punkte zu erkennen und richtig einzuschätzen.
Für alle Interessierten gab Stefania Uglioni zusätzlich zu den Reitstunden noch zwei Unterrichtseinheiten in Showmanship. Hier konnte man erleben, dass absolute Konsequenz und Konzentration zur Perfektion führt. Schnell konnte Stefania den Neulingen in dieser Disziplin die Grundlagen beibringen und erste Fortschritte deutlich machen. Und auch für die alten „Turnierhasen“ auf diesem Gebiet hatte sie noch den einen oder anderen guten Tipp auf Lager. Stefania ist wirklich eine Perfektionistin auf diesem Gebiet. Spätestens nach der ersten Stunde war allen klar, dass Showmanship mehr ist, als in Pferd in der Arena spazieren zu führen; auch wenn es für den Zuschauer manchmal so aussieht…
Als besonderes „Schmankerl“ führte Stefania die Teilnehmer außerdem in die Geheimnisse des italienischen „Showstylings“. Vom richtigen Einknoten der Pferdemähne, über das Rasieren der Pferdebeine und das „Blacken“ der Hufe, bis zum korrekten und sicheren Einbinden eines „Fake-tails“ konnte die Teilnehmer Schritt für Schritt sehen, wie aus einem normalen Pferd eine Turnierschönheit wurde. Jetzt wissen wir endlich, wie wir unsere Pferde zum Strahlen bringen können. Es ist gar kein Geheimnis dahinter, nur wissen muss man es.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es ein sehr lehrreicher Kurs war. Beide Trainer konnten ihr Wissen und die damit verbundene Trainingsphilosophie hervorragend vermitteln. Selten hat man auf einem Kurs so viel Unterricht erhalten und waren die Trainer mit einem solchen Eifer dabei. Es hat wirklich Spaß gemacht mit solchen erstklassigen Trainern ein Wochenende zu verbringen.
Bleibt nur zu hoffen, dass es bald wieder möglich sein wird,
einen Kurs mit Keith und Stefania zu veranstalten.